Für die klassische Akupunktur ist es unabdingbar, dass eine an traditioneller chinesischer Medizin orientierte Diagnostik und Vorstellung der Krankheiten und deren Muster zu Grunde liegen. So wird die Wirkung hauptsächlich über eine Anregung und Wiederherstellung der körpereigenen Regulative erzielt. Die damit erzielten Resultate sind inzwischen z. T. wissenschaftlich anerkannt. Es wird in verschiedenen Kategorien diagnostiziert, wie zum beispiel:
Yin und Yang sind die Basis der Traditionellen Chinesischen Medizin.
Das Prinzip von Yin und Yang stammt aus der taoistischen Naturphilosophie. Eine der ersten Quellen: Yi Ging, das Buch der Wandlungen um 700 v.Chr. Die 64 Hexagramme des Yi Ging symbolisieren alle nur möglichen Phänomene des Universums.
Ursprüngliche Bedeutung von Yin und Yang:
Yin = die im Schatten liegende Seite des Hügels. Davon abgeleitet: das Dunklere, das Innere, das Tiefergelegene, das Kühlere, das Passivere, das Ruhigere, das Bewahrende, die kalte Jahreszeit, die Nacht usw.
Yang = die von der Sonne beschienene Seite des Hügels. Davon abgeleitet: das Hellere, das Äussere, das Höhergelegene, das Heissere, das Aktivere, das Beweglichere, das Wachsende, die warme Jahreszeit, der Tag usw.
Alle Erscheinungen in der Natur und im Leben lassen sich als Wechselspiel dieser beiden Polaritäten erklären.
Yin und Yang sind voneinander abhängig und gehen ineinander über, so wie die Nacht in den Tag und der Tag in die Nacht übergeht. Tag oder Nacht, Sommer oder Winter, Yin und Yang- jedes ist jeweils nur ein Aspekt des Ganzen.
"Warm" ist mehr Yang im Vergleich zu "kühl", jedoch mehr "Yin" im Vergleich zu "heiss". Yin und Yang bestehen nie unabhängig voneinander und sind keine absoluten Werte, sondern sie drücken stets das Verhältnis von zwei Polariäten aus.
Ziel der Behandlung mit TCM ist die ausgleichende Harmonisierung der beiden Polaritäten Yin und Yang nach den 5 Wandlungsphasen (5 Elemente)
Das Konzept der 5 Wandlungsphasen lässt alle Naturphänomene einer der 5 Kategorien Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zuordnen.
Die 5 Wandlungsphasen (oft auch als 5 Elemente bezeichnet), haben ihre Entsprechungen zum Beispiel in den Jahreszeiten, im Tagesablauf und auch in den Lebensphasen des Menschen.
Holz:
Wachstum und Entfaltung, Bewegung nach aussen, Frühling, streben, Gefühl der Wut, Schreien
Feuer:
Höhepunkt der Entfaltung, Sommer, Gefühl der Freude, Lachen
Erde:
Phase des Wechsels und des Uebergangs, Harmonie und Mitte, Spätsommer, Gefühl der Sympathie, Singen
Metall:
Beginn von Niedergang und Zerfall, Themen von Loslassen oder Festklammern, Loslassen oder Kontrolle, Herbst, Gefühl der Trauer, Weinen
Wasser:
Tiefe und Ruhe, Bewegungslosigkeit, Erstarrung, Kälte, Winter, Gefühl der Angst, Stöhnen - und gleichzeitig Potential und Keim zu einem neuen Beginn - zu einem neuen Kreislauf von Werden und Vergehen
Den Grundsubstanzen
Die chinesische Medizin kümmert sich nicht um Chemie, Physiologie, Anatomie usw. Es gelten hier eigene Gesetzmässigkeiten, die auf Grund von Beobachtungen am Menschen entstanden sind und nicht durch Forschungen im Labor. Es geht bei den Begriffen in der chinesischen Medizin auch mehr um Funktionen als um isolierbare und unabhängig vom Menschen untersuchbare Substanzen.
Die Grundsubstanzen in der TCM sind substanzielle Erscheinungsformen von Yin und Yang. Zu diesen Grundsubstanzen gehören:
- Qi
- Blut (Xue)
- Körperflüssigkeiten, Säfte (Jin-Ye)
- Essenz (Jing)
- Geist (Shen)
Von diesen Grundsubstanzen werden Qi, Jing (Essenz) und Shen (Geist) auch als die drei Schätze bezeichnet, da sie den stärksten Einfluss auf Entwicklung und Ausdruck unserer Persönlichkeit haben. Disharmonien dieser Grundsubstanzen führen zu gesundheitlichen Störungen oder Störungen der Persönlichkeit.
Qi
Qi (auch Chi oder Ki geschrieben) ist ein grundlegender Begriff der TCM wie auch der chinesischen Philosophie. Die Bezeichnung Qi beinhaltet sehr viele verschiedene Aspekte das mit keinem anderen Wort angemessen übersetzt werden kann. Oft wird Qi mit "Energie" oder "Lebensenergie" übersetzt, doch hat Qi nicht nur energetische sondern auch materielle Qualitäten.
Ursprung des Qi:
1. Ursprungs-Qi (Yan-Qi) ist das vorgeburtliche Qi. Es wird bei der Empfängnis von den Eltern an das Kind weitergegeben.
2. Nahrungs-Qi (Gu-Qi) wird der verdauten Nahrung entzogen.
3. Natürliches Luft-Qi (Kong-Qi) wird aus der eingeatmeten Luft gewonnen.
Funktionen des Qi:
- Quelle aller Bewegungen und aller Aktivitäten
- Schutz, z. B. vor krankmachenden Einflüssen
- Umwandlung der Nahrung in andere, für den Organismus wichtige Substanzen
- Bewahren der Organe an ihrem Ort
- Erwärmen und Warmhalten des Körpers
Arten des Qi:
- Nahrungs-Qi (Ying-Qi) wichtig für die Ernährung
- Abwehr-Qi (Wei-Qi) schützt z. B. vor Erkältung
- Atmungs-Qi (Zong-Qi) wichtig für die Atmungsfunktionen
- Organ-Qi (Zang-Fu-Zhi-Qi) definiert die hauptsächlichen Funktionen der Organe (Funktionskreise)
- Leitbahnen-Qi (Jing-Luo-Zhi-Qi) das Qi, das in den Leitbahnen (Meridianen) fliesst
Qi-Disharmonien:
Sogenannte Qi-Disharmonien sind Krankheitsbilder, die auf ein unharmonisches Funktionieren von Qi zurückzuführen sind:
- Qi-Mangel (Qi-Xu) allgemeine Schwäche und Unlust
- zusammengebrochenes Qi (Qi-Xian): das Qi kann die Organe und Substanzen nicht mehr an ihrem Ort und in ihren Bahnen halten
- stagnierendes Qi (Qi-Zhi) die Bewegung des Qi ist beeinträchtigt und kann sich z. B. in Schmerzen äussern.
- gegeläufiges Qi (Qi-Ni): das Qi fliesst in die falsche Richtung (z. B.Erbrechen, Würgen)
Blut (Xue)
Der Begriff "Blut" hat in der TCM eine andere Bedeutung als in der westlichen Medizin. Xue fliesst nicht nur in den Blutgefässen, sondern auch in den Leitbahnen (Meridianen). Es geht bei dieser Substanz mehr um die Funktion als um physische Gegebenheiten.
Blut-Disharmonien sind
- Blut-Mangel (Xue-Xu)
- gestautes Blut (Xue-Yu)
Körperflüssigkeiten, Säfte (Jin-Ye)
Zu den Körperflüssigkeiten oder säften gehören alle flüssigen Substanzen im Köper, wie z. B. Schweiss, Speichel, Verdauungssäfte usw. ausser Blut. Die Körperflüssigkeiten haben vor allem netzende und nährende Funktion.
Essenz (Jing)
Die Essenz ist jene Substanz, der alles Leben zugrunde liegt. Von ihr hängt auch die individuelle Entwicklung, von der Empfängnis bis zum Tod, ab.
Der Ursprung des Jing:
- vorgeburtliches Jing (Xian-Tian-Zhi-Jing), angeborene Essenz wird von den Eltern vererbt
- nachgeburtliches Jing (Hou-Tian-Zhi-Jing) wird aus der Nahrung gewonnen.
Geist (Shen)
Shen ist eine nur beim Menschen vorkommende "Substanz", die verantwortlich ist für die Persönlichkeit und Individualität jedes einzelnen Menschen. Shen befähigt, sich auszudrücken, zu denken, zu unterscheiden usw.
Und natürlich zu guter Letzt die Diagnostische Methoden
die eine ausführliche Befragung nach der Lebensweise, nach bestimmten Vorlieben und Aversionen, nach körperlichem Befinden, nach Schlaf, Stuhl usw voraussetzt. Auch das gesamte Erscheinungsbild wird mit einbezogen: die Gesichtsfarbe, die Haltung, die Vitalität, die Sprechweise, der Körpergeruch usw.
Eine besondere Bedeutung haben auch die beiden unten beschriebenen Methoden des Pulsfühlens und der Zungendiagnostik.
Pulsfühlen
Eine wichtige Untersuchungsmethode in der TCM ist das Pulsfühlen, das viel komplexer und differenzierter ist als in der westlichen Medizin und das ausserordentlich grosse Erfahrung erfordert und geradezu als "Kunst" betrachtet werden kann.
Der Puls wird am linken und rechten Handgelenk an je 3 Positionen gefühlt. Diese insgesamt 6 Positionen haben Entsprechungen zu den 5 Wandlungsphasen und zum Meridiansystem.
Es werden auf allen diesen Positionen und Ebenen viele verschiedene Pulsqualitäten unterschieden: Geschwindigkeit, Volumen, Kraft, Form, Länge Rhythmus usw. Man spricht von einem knotigen Puls, einem jagenden, einem kurzen, einem überflutenden , einem verschwindenden, einem verborgenen, einem hohlen Puls und anderen mehr. Kommt erschwerend dazu, dass alle diese Pulsqualitäten nicht in ihrer reinen Form auftreten, sondern in vielen verschiedenen Kombinationen und Variationen.
Zungendiagnostik
Nach derTheorie der TCM ist die Zunge mit den Zang-Fu-Organen (Funktionskreise, Meridiane) verbunden und gibt Aufschluss über deren Zustand.
Beurteilt wird folgendes:
- der Zungenkörper (seine Form, Farbe, Beweglichkeit)
- der Zungenbelag (Farbe, Qualiät, Quantität)
- die Wurzel des Zungenbelages (lässt sich der Belag mit dem Spatel abstreifen oder nicht?)
- die Feuchtigkeit der Zunge
- Auffälligkeiten bezogen auf ihre Lokalisation:
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